JULIANE ZIESE


1980 in Berlin geboren

Lebt und arbeitet ebenda


Ein Tee

 

Stark. Schwarz. Heiß.

Und Stille.


M e h r

(Amsel I)

 

Jeden Tag ein Gedicht

Warum nicht

Die Uhr tickt

Die Amsel pickt

Und schimpft

Mit einem Feind

Der nicht da ist

Sie macht Krawall.

Vor mir ein Haus

Es sieht verlassen aus

Voller Geschichten

Am Meer

Es ist unbewohnt

Und lädt ein

Dort zu sein

Dort zu schreiben

Nur irgendwo ein Licht

ganz klein

ganz fein

Hauchzart

Ein Punkt Wärme

Ein Leuchten

Und es ward Leben -


Entsteht ein Lied

 

Ein Gedicht bricht

Durch

Die Wolken des inneren Ich

Irgendwo im Bauch

Hinterm Nabel

Bricht etwas auf

Will etwas raus

Und spielen in der Welt

Eine Strophe, eine Zeile, ein Wort

Vielleicht nur

Ein einziges Bild oder ein Ton

Der gesprochen, gesagt werden will

In die Welt, die

sich dort formt und berührt

Rührt an

Andere Töne, andere Bilder

Und aus Glück und Mut entsteht ein Lied.


Bruder

 

Knabe (einfach nur)

Muschel am Ohr

Lächeln im Mund

Wann wurdest Du kaputt gemacht?

Vater (vom Kind)

Stumpfer Blick

Lächeln zerstört

Wann hörst Du auf zu wüten?

Mutter (vom Mann)

Voll Hohn und Verachtung

Musstest Kinder gebären

Warum bist Du geblieben?

Schwester (vom Bruder)

Muschel am Ohr

Lächeln verschluckt

Gelingt es Dir, all das zu heilen?


Viele flinke Feuertropfen flitzen von mir fort

spritzen, kleckern, fallen unter

Lider, die sich legen auf die Wangen, die

erröten und ein Lächeln zieht hinüber, perlt

heraus aus meinen Lippen, die nicht reden aber singen

still und flutend

überwältigt, glücklich, ruhig.

 

Viele flinke Feuertropfen und

ein Funke flieht zu dir.


A m s e l  B a m s e l

(Amsel II)

 

Kunst Brunst

Matsch Batsch

Verklebt

Befreit

Bereit und ermutigt

Mutig

Wie die Amsel Bamsel

Auf die Katze Fratze

losgeht

Sie attakiert

und verscheucht

in die Flucht

schlägt -

Von nebenan Musik

Von nebenan Gesang


Kopf auf Hand

 

Ich ersticke. Möchte Atem

In mich schaufeln

Wie ein Kind

Sand schaufelt am Strand

Mich beruhigen

Dich zerkratzen und dich küssen.

Du lachst, tanzt –

 

Mein Blick nagt sich hinaus

aus dem Kopf

Auf meiner Hand

Nackt stehe ich dir gegenüber.

Grün, blau und willig. Wasser

Bin ich